Welche Materialien kann man mit Schlitzfräsen bearbeiten?
Mauernutfräsen sind für mineralische Baustoffe gebaut, doch Wand ist nicht gleich Wand. Ob die Maschine leicht durchläuft oder sich quält, hängt vom Material, seiner Härte und den Zuschlagstoffen ab – und von der passenden Diamantscheibe.
Diamant ist nicht gleich Diamant
Mauernutfräsen arbeiten mit Diamanttrennscheiben. Die Diamantkörner sitzen in einer metallischen Bindung auf den Segmenten am Rand. Beim Schneiden nutzt sich die Bindung ab und legt neue Diamanten frei – die Scheibe schärft sich gewissermaßen selbst. Wie schnell das geschehen soll, hängt vom Material ab: Für harte Baustoffe wie Beton braucht es eine weichere Bindung, damit frische Körner nachkommen; für weiche, abrasive Baustoffe wie Porenbeton oder Putz eine härtere Bindung, die nicht zu schnell verschleißt. Deshalb verkaufen Hersteller Scheiben für „Mauerwerk“, „Beton“ oder „Universal“.
Die Baustoffe im Einzelnen
| Material | Verhalten beim Schlitzen | Hinweis |
|---|---|---|
| Porenbeton (Gasbeton) | sehr leicht, hohe Vorschubgeschwindigkeit | abrasiv, viel feiner Staub; oft reicht auch ein Handschlitzer |
| Hochlochziegel | gut, aber Stege können ausbrechen | Hohlkammern beachten, nicht zu tief schlitzen |
| Vollziegel, Klinker | gut bis mittel | Klinker ist hart, Vorschub reduzieren |
| Kalksandstein | gut | enthält Quarz – Staubschutz besonders wichtig |
| Putz (Kalk, Gips, Kalkzement) | sehr leicht | Tiefe auf Putz plus Mauerwerk abstimmen |
| Beton | schwer, je nach Festigkeit | Bewehrung nie durchtrennen; nur mit Freigabe |
| Naturstein | sehr unterschiedlich | Granit hart, Sandstein weich; Probeschnitt |
Beton: Vorsicht Bewehrung
In Stahlbetonwänden und -decken liegt Bewehrungsstahl, oft nur wenige Zentimeter unter der Oberfläche. Ein Schlitz, der den Stahl freilegt oder gar durchtrennt, kann die Tragfähigkeit beeinträchtigen. Schlitze in Beton gehören daher nur nach Rücksprache mit einem Tragwerksplaner in tragende Bauteile. Einfache Mauernutfräsen kommen in hartem Beton ohnehin kaum voran; hier arbeiten Fachbetriebe mit größeren Geräten.
Sicherheit: Kalksandstein, Beton und viele Natursteine enthalten Quarz. Der beim Fräsen entstehende Feinstaub ist gesundheitsschädlich. Nur mit Absaugung (mindestens Staubklasse M) und Atemschutz arbeiten.
Hohlkammern und dünne Wände
Moderne Hochlochziegel haben viele Hohlkammern. Beim Schlitzen brechen die dünnen Stege leicht aus, und ein zu tiefer Schlitz öffnet eine ganze Kammer. Das ist bei nichttragenden Wänden meist unproblematisch, schwächt aber die Wand und erschwert das spätere Verschließen. Fräsen Sie so tief wie nötig, nicht so tief wie möglich.
Bei Leichtbauwänden aus Gipskarton hat eine Mauernutfräse nichts verloren. Kabel verlaufen hier im Hohlraum der Ständerwand; Dosen werden mit einer Dosenbohrkrone gesetzt.
Holz, Metall, Kunststoff: nicht geeignet
Diamanttrennscheiben schneiden Holz schlecht und erhitzen sich dabei stark; Metall kann Segmente beschädigen. Stoßen Sie beim Schlitzen auf Holzbalken (etwa in Fachwerk) oder Metallteile, unterbrechen Sie die Arbeit. Holzbauteile bearbeitet man mit Holzwerkzeugen – und Fachwerk ist ohnehin ein Fall für Fachleute, weil Balken oft tragend sind.
Probeschnitt und Einstellungen
Praxistipp: Beginnen Sie mit einem kurzen Probeschnitt an einer unauffälligen Stelle. Wie leicht die Maschine läuft und wie der Staub aussieht, verrät viel über das Material. Staub, der hell und sehr fein ist und kaum Körner enthält, deutet auf Porenbeton oder Gips hin; rötlicher auf Ziegel.
Wählen Sie die Nuttiefe so, dass das Leerrohr oder Kabel samt Befestigung vollständig in der Wand verschwindet und noch Platz für Mörtel oder Gips zum Verschließen bleibt. Mehr über die Maschine selbst lesen Sie im Beitrag zur Schlitzfräse, über den passenden Sauger unter Staubsauger für die Mauernutfräse.