Die Schlitzfräse (Mauernutfräse)
Wer Kabel oder Leerrohre unter Putz verlegen will, muss Schlitze ins Mauerwerk bringen. Mit Hammer und Meißel ist das mühsam und ungenau. Eine Schlitzfräse, auch Mauernutfräse genannt, schneidet zwei parallele Fugen, zwischen denen sich der Steg leicht herausbrechen lässt.

So funktioniert eine Mauernutfräse
Das Prinzip ist einfach: Auf einer Welle sitzen zwei Diamanttrennscheiben im Abstand der gewünschten Nutbreite. Abstandsringe zwischen den Scheiben legen die Breite fest, ein Tiefenanschlag die Tiefe. Beim Führen entlang einer Linie entstehen zwei saubere Schnitte. Den stehen gebliebenen Steg brechen Sie danach mit einem Ausbrechwerkzeug heraus, das oft zum Lieferumfang gehört, oder mit einem Meißel.
Die Maschine arbeitet mit einer Schutzhaube, die die Scheiben fast vollständig umschließt und einen Absaugstutzen besitzt. Das ist nicht nur Komfort: Beim Fräsen von Mauerwerk entsteht feiner mineralischer Staub, der je nach Material Quarz enthält.
Einsatzgebiete
Typische Anwendungen sind Schlitze für Elektroleitungen, Leerrohre, Netzwerkkabel und kleinere Wasserrohre. Die Maschinen fräsen Ziegel, Kalksandstein, Porenbeton und Putz gut; bei hartem, bewehrtem Beton stoßen einfache Geräte an ihre Grenzen. Welche Materialien wie reagieren, erklärt der Beitrag Welche Materialien kann man mit Schlitzfräsen bearbeiten?
Kennwerte: Breite, Tiefe, Leistung
Für einzelne Kabel genügen schmale Nuten von etwa 15 bis 20 mm, für Leerrohre mit 20 oder 25 mm Durchmesser brauchen Sie entsprechend breitere und tiefere Schlitze. Heimwerkergeräte haben meist 125-mm-Scheiben und rund 1300 bis 1700 W; größere Profigeräte mit 150-mm-Scheiben fräsen tiefer. Eine Anlaufstrombegrenzung verhindert, dass beim Einschalten die Sicherung auslöst, eine Konstantelektronik hält die Drehzahl unter Last.
Erst planen: Installationszonen und Statik
Bevor Sie fräsen, sollten zwei Fragen geklärt sein.
Wo dürfen Leitungen liegen? Die Norm DIN 18015-3 legt für Wohngebäude Installationszonen fest: waagrechte Streifen unter der Decke und über dem Fußboden sowie senkrechte Streifen neben Türen, Fenstern und Wandecken. Wer sich daran hält, macht es späteren Handwerkern leicht, Leitungen nicht versehentlich anzubohren.
Darf die Wand geschlitzt werden? In tragenden Wänden begrenzen die Regeln für den Mauerwerksbau (Eurocode 6, DIN EN 1996) Tiefe, Breite und Lage von Schlitzen, die ohne statischen Nachweis zulässig sind. Waagrechte und schräge Schlitze sind dabei deutlich strenger begrenzt als senkrechte. Im Zweifel fragen Sie einen Tragwerksplaner – ein zu tiefer Schlitz in einer dünnen tragenden Wand ist kein Schönheitsfehler.
Sicherheit: Vor dem Fräsen mit einem Leitungssuchgerät nach vorhandenen Leitungen und Rohren suchen und den Stromkreis abschalten. Elektroinstallationen selbst gehören in die Hände einer Elektrofachkraft; das Fräsen der Schlitze können Sie in Absprache übernehmen.
Staub im Griff behalten
Ohne Absaugung verwandelt eine Mauernutfräse einen Raum in Minuten in eine Staubwolke. Nötig ist ein Sauger mindestens der Staubklasse M mit automatischer Filterabreinigung, weil feiner Gesteinsstaub normale Filter sofort zusetzt. Warum das so ist, steht im Beitrag Staubsauger für die Mauernutfräse. Dazu gehören eine Atemschutzmaske (mindestens FFP2), Schutzbrille und Gehörschutz.
Praxistipp: Ziehen Sie die Linie mit Wasserwaage und Bleistift an und fräsen Sie mit gleichmäßigem Vorschub in einem Zug. Stoppen und neu ansetzen erzeugt Absätze in der Nut.
Alternativen
Für einzelne kurze Schlitze kann ein Winkelschleifer mit Diamantscheibe und Absaughaube reichen – das erfordert aber zwei Schnitte und mehr Übung. Zum großflächigen Abtragen alter Putzschichten ist die Mauernutfräse das falsche Gerät; hier hilft die Putzfräse.