Die Gestellsäge
Die Gestellsäge – auch Spannsäge oder Tischlersäge genannt – ist eine der ältesten Sägenformen Mitteleuropas. Ein schmales Blatt ist in einem Holzgestell eingespannt. Richtig eingestellt, sägt sie erstaunlich schnell und gerade.
Aufbau
Eine Gestellsäge besteht aus zwei senkrechten Armen (Hörnern), einem Mittelsteg und dem Sägeblatt, das unten zwischen den Armen gespannt ist. Oben sitzt die Spannvorrichtung: traditionell eine doppelt geführte Schnur, die mit einem Holzknebel verdrillt wird, heute oft eine Gewindestange mit Flügelmutter. Wird die Schnur gespannt, drückt der Mittelsteg als Hebelpunkt das Blatt straff.
An beiden Enden sitzt das Blatt in drehbaren Griffen. So lässt es sich gegenüber dem Gestell verdrehen – ein langes Brett kann längs gesägt werden, ohne dass das Gestell im Weg ist.
Warum eine Gestellsäge?
Weil das Blatt gespannt ist, kann es schmal und dünn sein und läuft trotzdem gerade. Die Säge schneidet auf Stoß und ist für lange Schnitte kraftsparend, da das Gestell eine gute Führung gibt. In vielen Tischlereien gehörte sie früher in mehreren Ausführungen zur Grundausstattung:
- Absetzsäge mit feiner Zahnung für Querschnitte und Zapfen,
- Schlitz- oder Klobsäge mit grober Zahnung für Längsschnitte,
- Schweifsäge mit schmalem Blatt für Kurven.
Blätter
Gestellsägeblätter unterscheiden sich in Länge, Breite und Zahnung. Für allgemeine Arbeiten ist ein Blatt mit mittlerer Zahnung sinnvoll, für Kurven ein schmales. Klassische Blätter lassen sich mit einer Dreikantfeile schärfen und mit dem Schränkeisen schränken – ein Vorteil gegenüber vielen modernen Sägen mit gehärteten Wegwerfzähnen.
Richtig spannen und sägen
- Blatt gerade einsetzen und in beiden Griffen gleich ausrichten.
- Schnur oder Stange spannen, bis das Blatt beim Anzupfen einen klaren Ton gibt.
- Die Säge mit einer Hand am Arm, bei langen Schnitten mit beiden Händen führen.
- Nach der Arbeit die Spannung lösen, damit Gestell und Blatt nicht dauerhaft belastet sind.
Praxistipp: Wenn die Säge verläuft, ist das Blatt meist verdreht eingesetzt oder ungleich geschränkt. Prüfen Sie über die Blattkante, ob beide Griffe in einer Flucht stehen.
Gestellsäge oder Bügelsäge?
Die Bügelsäge mit Stahlbügel ist eine Verwandte für die grobe Arbeit an Brennholz und Ästen – mehr dazu unter Brennholzsäge. Die Gestellsäge ist feiner und für die Werkstatt gedacht. Für präzise Verbindungen ist die Japansäge eine moderne Alternative.
Sicherheit: Die Spannschnur kann bei Überlast oder altem Material reißen und das Gestell zusammenschnappen lassen. Schnur regelmäßig prüfen und nicht über das Nötige hinaus spannen.
