Die Oberfräse
Kaum eine Maschine ist in der Holzbearbeitung so vielseitig wie die Oberfräse. Sie fräst Nuten und Falze, rundet Kanten, kopiert Schablonen und stellt Verbindungen her – vorausgesetzt, Fräser, Drehzahl und Führung stimmen.

Aufbau: Motor, Tauchkorb, Spannzange
Eine Oberfräse besteht im Kern aus einem schnell drehenden Elektromotor, an dessen Welle eine Spannzange den Fräser festhält. Der Motor sitzt in einem Tauchkorb: zwei Führungssäulen mit Federn, auf denen die Maschine nach unten gleitet, sobald Sie den Arretierhebel lösen. So taucht der Fräser mitten in der Fläche ins Holz ein – deshalb heißt dieses Prinzip Tauchfräse. Ein Tiefenanschlag mit Revolverstufen begrenzt, wie weit der Fräser eintaucht.
Unten schließt eine Grundplatte mit Gleitsohle ab. An ihr lassen sich Parallelanschlag, Kopierhülsen oder ein Adapter für eine Führungsschiene befestigen. Die Späne saugt ein Stutzen ab, an den ein Werkstattsauger passt.
Welche Größe brauchen Sie?
Grob lassen sich drei Klassen unterscheiden:
- Kantenfräsen (oft um 500 bis 900 W): klein, einhändig führbar, ideal zum Abrunden und Anfasen von Kanten sowie zum Bündigfräsen von Umleimern.
- Mittlere Oberfräsen (etwa 1000 bis 1600 W): der Allrounder für Heimwerker, meist mit 8-mm-Spannzange und Drehzahlregelung.
- Große Oberfräsen (ab etwa 1800 W): für große Fräser mit 12-mm-Schaft, tiefe Nuten in Hartholz und den Einbau in einen Frästisch.
Wichtiger als die Wattzahl ist oft die Spannzange. In Europa verbreitet sind 6, 8 und 12 mm; dazu kommen Zollmaße (1/4 und 1/2 Zoll). Fräser mit dickerem Schaft laufen ruhiger und brechen seltener. Prüfen Sie vor dem Kauf, welche Zangen mitgeliefert werden oder nachkaufbar sind.
Drehzahl: schnell, aber nicht zu schnell
Oberfräsen drehen im Leerlauf typischerweise zwischen etwa 10.000 und über 25.000 Umdrehungen pro Minute. Faustregel: Je größer der Fräserdurchmesser, desto niedriger die Drehzahl – sonst erreicht die Schneide am Außenrand eine zu hohe Geschwindigkeit, das Holz brennt an und der Fräser wird überlastet. Die zulässige Höchstdrehzahl ist auf vielen Fräsern angegeben; sie darf nie überschritten werden. Eine elektronische Drehzahlregelung mit Sanftanlauf und Konstantelektronik ist deshalb ab der Mittelklasse sinnvoll.
Führen: Anschlag, Kopierhülse, Schiene
Frei aus der Hand fräst niemand eine gerade Nut. Die Maschine braucht eine Führung:
- Der Parallelanschlag läuft an einer geraden Werkstückkante entlang – für Nuten parallel zur Kante.
- Kopierhülsen umschließen den Fräser und laufen an einer Schablone. So lassen sich Ausschnitte, Rundungen oder Beschlagtaschen immer gleich fräsen.
- Mit einer Führungsschiene und Adapter werden auch lange Nuten mitten in einer Platte exakt.
- Im Frästisch hängt die Maschine kopfüber unter einer Platte; Sie schieben das Werkstück. Das eignet sich für kleine Teile und große Profilfräser.

Fräsrichtung und Spantiefe
Handgeführt wird im Gegenlauf gefräst: Die Maschine bewegt sich gegen die Drehrichtung des Fräsers, damit sie sich nicht selbst nach vorn zieht. Von oben betrachtet heißt das an Außenkanten meist gegen den Uhrzeigersinn um das Werkstück herum, bei Innenausschnitten im Uhrzeigersinn. Tiefe Nuten fräsen Sie in mehreren Durchgängen von jeweils wenigen Millimetern; das schont Maschine und Fräser und ergibt sauberere Flanken.
Praxistipp: Machen Sie vor dem eigentlichen Werkstück einen Probeschnitt an einem Reststück desselben Materials. So prüfen Sie Tiefe, Anschlag und Drehzahl, ohne etwas zu riskieren.
Sicher arbeiten
Sicherheit: Fräser nur bei gezogenem Netzstecker oder entnommenem Akku wechseln, den Schaft mindestens bis zur Markierung – meist drei Viertel seiner Länge – einspannen und das Werkstück immer festspannen. Gehör- und Augenschutz tragen, Späne absaugen.
Welche Fräser für welche Profile gedacht sind, lesen Sie im Beitrag über Fräser und Fräsköpfe für die Oberfräse. Wer statt Holz Mauerwerk bearbeiten will, braucht eine ganz andere Maschine: die Mauernutfräse. Grundsätzliches zu Schutzbrille, Gehörschutz und Absaugung steht unter Arbeitssicherheit.
