Die Vollmeißelkette
Sägeketten unterscheiden sich in der Form ihrer Schneidezähne. Die Vollmeißelkette hat eine eckige, scharf gewinkelte Schneide und gilt als die schnellste Kette. Sie verzeiht aber weniger – vor allem bei verschmutztem Holz.
Die drei Zahnformen
- Vollmeißel (Vollmeißelzahn): Die Schneide bildet eine scharfe Ecke zwischen Dach und Brust. Sie trennt die Holzfasern besonders effizient und liefert die höchste Schnittleistung.
- Halbmeißel (Halbmeißelzahn): Die Ecke ist abgerundet. Die Kette schneidet etwas langsamer, bleibt aber in verschmutztem oder gefrorenem Holz länger scharf und ist leichter zu schärfen.
- Hobelzahn (Chipper): eine stark abgerundete Form, robust und gutmütig, heute eher bei einfachen Sägen oder Sonderanwendungen zu finden.
Wann die Vollmeißelkette passt
Sie spielt ihre Stärken bei sauberem Holz aus: frisch gefällte Stämme, entrindetes Holz, Arbeiten im Wald, wo Tempo zählt. Profis in der Forstwirtschaft nutzen sie häufig. Bei verschmutztem Holz – Stubben, Wurzeln, Holz mit Sand in der Rinde, Abbruchholz – verliert die scharfe Ecke schnell ihre Schärfe. Dort ist ein Halbmeißel die bessere Wahl.
Rückschlagverhalten
Die aggressive Schneide der Vollmeißelkette greift schneller ins Holz. Das erhöht bei unsachgemäßer Arbeit mit der Schwertspitze die Rückschlagneigung. Für Privatanwender empfehlen viele Hersteller deshalb rückschlagarme Ketten mit Halbmeißelzahn und zusätzlichen Schutzgliedern.
Sicherheit: Rückschlag entsteht an der oberen Schwertspitze. Egal welche Kette: Nie mit der Spitze sägen, immer mit beiden Händen halten und Schnittschutzausrüstung tragen – mehr dazu im Beitrag Die Benzin-Kettensäge.
Schärfen
Vollmeißelzähne verlangen beim Schärfen mehr Genauigkeit. Die Rundfeile muss auf der richtigen Höhe geführt werden, damit die Ecke scharf bleibt; eine Feilführung hilft dabei. Weil die Ecke schnell abstumpft, lohnt es sich, öfter und dafür mit wenigen Feilstrichen nachzuschärfen. Details zur Technik stehen im Beitrag Kettenschärfgerät.
Die passende Kette kaufen
Neben der Zahnform müssen drei Maße stimmen:
- Teilung (z. B. 3/8" P, .325", 3/8"),
- Treibgliedstärke (Nutbreite des Schwerts, z. B. 1,1 / 1,3 / 1,5 / 1,6 mm),
- Anzahl der Treibglieder (bestimmt die Kettenlänge passend zum Schwert).
Diese Angaben stehen auf dem Schwert oder in der Anleitung. Eine Kette mit falscher Treibgliedstärke läuft nicht sicher in der Nut.
Praxistipp: Wer zwischen sauberem Waldholz und Gartenarbeiten wechselt, hält am besten zwei Ketten bereit: eine Vollmeißelkette für das Brennholz aus dem Wald und eine Halbmeißelkette für Wurzeln und Gartenschnitt.